Gone with the Wind: Der Rotmilan ist bedroht

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Gone with the wind

Der Rotmilan ist bedroht. Er leidet unter moderner Landwirtschaft – und wird oft Opfer von Windkraftanlagen.

In Gefahr: Auch natürliche Feinde wie Uhu, Habicht oder Seeadler machen dem Rotmilan in Deutschland das Leben schwer. Carl-Albrecht von Treuenfels

Von Carl Albrecht von Treuenfels, 13.Juli 2019

Einen Rotmilan kann man bei seinem Suchflug am Himmel leicht von anderen Greifvögeln wie dem Mäusebussard, dem selten sichtbaren Habicht oder der Rohrweihe unterscheiden. Sein volkstümlicher Name Gabelweihe weist auf das untrügliche Kennzeichen von „Milvus milvus“ hin: den gegabelten Stoß (Schwanz), der oben wie ein Teil des übrigen Gefieders rotbraun gefärbt ist. Die bis auf den grauen Kopf leuchtende Farbe und die markante Form des Stoßes, den der Vogel beim Fliegen als bewegliches Steuerinstrument einsetzt, hat zu beiden Namen geführt.

Nur mit einem nahen Verwandten kann man ihn beim flüchtigen Hinsehen verwechseln: Der Schwarzmilan (Milvus migrans), mit 50 bis 58 Zentimeter Körperlänge rund zehn Zentimeter kleiner als der Rotmilan, hat einen schwächer eingekerbten Stoß und dunkelbraune Gefiederfarben. Er wird deshalb auch Brauner Milan genannt. In manchen Gegenden Deutschlands lassen sich beide Arten gleichzeitig beobachten. Rund um den Bodensee, im baden-württembergischen Hegau, im Harzvorland und in der Altmark gibt es noch größere Konzentrationen beider Milane. Auch in der Schweiz fühlen sich beide Arten wohl.

Während der Schwarzmilan mit seinen sechs Rassen ein weites Verbreitungsgebiet von Mitteleuropa, Afrika, dem Nahen Osten bis nach Asien hat und selbst in Japan anzutreffen ist, konzentriert sich der Rotmilan auf Mittel- und Südeuropa sowie Teile Vorderasiens. Deutschland spielt eine besondere Rolle für den Rotmilan. Hier brüten zwischen 12 000 und 18 000 Paare. Das sind doppelt so viele wie Schwarzmilane – und es ist mehr als die Hälfte des Weltbestands, der auf 19 000 bis 25 000 Paare beziffert wird. Kein anderer Brutvogel hat in Deutschland dieses Alleinstellungsmerkmal.

Das zweitwichtigste Land für die Rotmilane ist Spanien. Dort verbringen viele die Wintermonate, ehe sie von Ende Februar an in ihre nördlichen Brutgebiete zurückkehren. In jüngerer Zeit bleiben jedoch immer mehr Rotmilane im Winter in Deutschland. Bis zu 1500 Vögel ziehen nicht mehr nach Süden und bilden abends an bevorzugten Orten in Bäumen Schlafgesellschaften, auch in Frankreich. In England, wo der Rotmilan dank Ansiedlungsprojekten wieder heimisch ist, zieht er im Winter ebenfalls nicht mehr fort. Aber der Aufenthalt zur Brutzeit in Deutschland wird für die „Königsweihe“ unwirtlicher und gefährlicher. Denn Felder und Wiesen geben immer weniger Nahrung her…

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