https://www.achgut.com/artikel/vom_zustand_einer_einst_grossen_wirtschaftsnation
Von Thilo Spahl, 15. Juni 2026
„Absturz“ heißt das neue Buch des Ökonomen Daniel Stelter. Aber der Untertitel lässt immerhin noch Raum für Hoffnung: „So retten wir Deutschland“.
Wer Daniel Stelter als Hörer des Podcasts „beyond the obvious“ kennt, wird bei Lektüre des Buches schnell feststellen: Er schreibt genauso, wie er spricht. Das macht das Buch sehr leicht lesbar. Und er wird feststellen, was auch Stelter selbst sagt, wenn er auf sein Buch verweist: „Die Inhalte kennen Sie alle schon.“ Trotzdem hat der Rezensent das Buch gerne gelesen. Denn es ist sehr praktisch, wenn man all die Fakten und Argumente, die man über die letzten Jahre beim Radfahren im Podcast gehört, aber sich nicht alle gemerkt hat, noch einmal, auf 260 Seiten, äußerst komprimiert zusammengefasst bekommt.
Stelter, der Woche für Woche Interviews mit zumeist Wirtschaftswissenschaftlern, bisweilen auch Unternehmern oder Managern führt, ist kein Untergangsprophet. Am ehesten würde ich ihn als besorgt, weil kompetent bezeichnen. Manchmal mischt sich auch ein wenig Verzweiflung in seine Ausführungen, selten Zuversicht. Wenn, dann eigentlich nur in abgeschwächter Form im Bekunden, man dürfe die Hoffnung nicht aufgeben, und der immer wiederkehrenden Aufforderung an seine Gesprächsgäste, ihre Empfehlungen an die Politik zu formulieren.
Auf Seite eins von „Absturz“ wird das Problem klar benannt: „Die deutsche Wirtschaft verliert seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit. Begonnen hat der Prozess mit dem Atomausstieg, es liegt aber mindestens so sehr an einer immer höheren Steuer- und Abgabenlast, einer überbordenden Bürokratie und einem Staat, der, statt auf Rahmenbedingungen zu setzen, glaubt, mit dem Verteilen von Subventionen die Wirtschaft steuern zu können. Dies gepaart mit einer parteiübergreifenden Neigung, Probleme zu leugnen, zu verharmlosen oder mit Schulden und Steuergeld zu kaschieren.“
Auf der zweiten Seite erfahren wir dann auch schon die Lösung, in sehr groben Zügen: „Die Energiepolitik muss als Hauptziel ein günstiges und im Überfluss vorhandenes Angebot haben, die Klimapolitik muss sich von jeglicher ‚Vorreiterrolle‘ verabschieden, der Sozialstaat muss demografiefest gemacht werden. Das Bildungssystem muss endlich wieder die Qualität hervorbringen, die ein Industrieland benötigt und die Infrastruktur muss saniert werden, statt die dafür vorgesehenen Schuldenmilliarden zum Stopfen von Löchern zu veruntreuen.“
Und weil er ahnt, dass sich der Leser genau das auch denkt, fügt er sogleich hinzu: „Diese Erkenntnisse sind alles andere als neu.“ Trotzdem lohnt es sich natürlich, weiterzulesen. Auch für jene, die es sich gerne leichtmachen und dazu neigen, dem Politikercredo der letzten Jahre zu folgen, es würde schon alles werden, wenn nur nicht dauernd Störenfriede schlechte Laune verbreiteten. Schon auf Seite drei manifestiert sich der Wille zum Optimismus; es folgt die erfrischende Erkenntnis, auf welch einfache Weise unsere Rettung zu bewerkstelligen sei: „Die gute Nachricht: Für die wesentlichen Maßnahmen braucht es keine neuen Gesetze, man muss nur Gesetze der letzten zehn bis zwanzig Jahre abschaffen.“…