Vogelsbergkreis: Auch hier Störung von Brutplätzen!

http://www.oberhessische-zeitung.de/lokales/alsfeld/polizei-alsfeld-ermittelt-im-fall-des-mutmasslichen-windkraftgutachters_18924420.htm

Polizei Alsfeld ermittelt im Fall des mutmaßlichen Windkraftgutachters

von Andreas Ungermann, 17. Juli 2018

ALSFELD/SCHWALMTAL – Das Thema Windenergie wirbelt jetzt auch bei der Polizei im Vogelsberg Wind auf. Die Ermittlungsgruppe der Polizeistation Alsfeld muss sich nun mit dem mutmaßlichen Gutachter befassen. Dem hatte eine Umweltschutzinitiative vorgeworfen, mit Stöcken gegen Habitat- oder Horstbäume geschlagen zu haben, um Greifvögel aufzuschrecken und somit die Bäume zu „entmieten“, um das Windkraftprojekt umsetzen zu können. Ermittelt wird laut Polizei-Pressesprecher Christian Stahl nun wegen einer Ordnungswidrigkeit nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes, wonach es unter anderem verboten ist, „Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören“. Die Polizei sei in diesem Fall tätig geworden, weil der für das Genehmigungsverfahren zuständige Dezernent im Regierungspräsidium (RP) Gießen den entsprechenden Bericht in der Oberhessischen Zeitung gelesen und den Vorgang an die Polizei in Alsfeld übergeben habe. Wegen der Zuständigkeiten führen nun die Alsfelder Beamten die Ermittlungen. Für sie gehe es jetzt auch daran, das Original-Videomaterial zu erhalten und auszuwerten.

An diesem hat auch die Ovag als Mutterkonzern der HessenEnergie, die das Projekt im Bastwald bei Schwalmtal umsetzen möchte, ein gesteigertes Interesse, um den Vorfall aufzuklären und „daraus die Konsequenzen in jedwede Richtung zu ziehen“. Der Legalitätspflicht messe das Unternehmen eine hohe Bedeutung bei, sie sei stets Maxime des Handelns, erläutert Ovag-Pressesprecher Andreas Matlé.

Windkraftkritiker sehen in dem gefilmten Handeln des mutmaßlichen Gutachters indes eine schwere Erschütterung des Vertrauens. Dr. Sachiko Scheuing, Jörg Köhler sowie Sigrun und Martin Pahl als Vertreter des Vereins „Schöner Ausblick“ stellen während eines Redaktionsgesprächs die Frage in den Raum „Was können wir überhaupt noch glauben, wenn sich solche Methoden als wahr erweisen?“. Für sie sind die Genehmigungsverfahren ohnehin nicht transparent genug. Der Erörterungstermin zu den von VSB geplanten drei weiteren Windrädern am Homberg – Projekt Homberg II – etwa sei in ihren Augen lediglich eine Farce gewesen. „Man muss nur mal auf die Akteure schauen. Da sitzen auf der einen Seite die Projektierer mit ihren Juristen. Da steckt richtig viel Kapital dahinter. Das können wir Bürger gar nicht leisten“, gibt Martin Pahl zu bedenken und die Vorsitzende des Vereins Schöner Ausblick, Dr. Sachiko Scheuing beklagt, die Sachargumente der Bevölkerung würden nicht ausreichend gewürdigt. „Schon 2012 wurde beim Erörterungstermin darauf hingewiesen, die Diskussion nicht emotional, sondern sachlich zu führen“, erinnert sie sich. Stundenlang hätten die Windkraftkritiker ihre Argumente vorgetragen, seien aber nicht ernsthaft gehört worden. „Aus unserer Sicht war das keine fachliche Auseinandersetzung“, sagt die Vereinsvorsitzende.

Der Ärger über das RP sitzt noch tief – auch weil die Gießener Behörde den Flächennutzungsplan…

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.