Das Dilemma mit der Atomkraft

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Kommentar: Das Dilemma mit der Atomkraft

Am letzten Tag des vergangenen Jahres ist das Atomkraftwerk Philippsburg nahe Karlsruhe planmäßig abgeschaltet worden. Es war nicht das erste – und alle noch übrigen sollen bis Ende 2022 folgen. Inzwischen aber hat – bedingt durch den Klimawandel – eine neue Debatte über Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke begonnen. Die AKW produzieren schließlich Strom weitgehend ohne CO2-Emissionen.

Der NDR Info Wochenkommentar „Die Meinung“ von Cora Stephan, freie Autorin, 4, Januar 2020

Cora Stephan meint: „Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass man jeden Eingriff in die Natur auf seine Wirkung hin untersucht?“ © Rudolf Westenberger Foto: Rudolf Westenberger

Zur Beerdigung von Philippsburg am Silvesterabend 2019 kamen ein paar Veteranen, die das Ende der Atomkraft feierten, und ein paar weniger, die es bedauerten, dass ein voll funktionsfähiger Energielieferant abgeschaltet werden musste, der überdies den Vorteil hatte, CO2-neutral zu sein. Als Ersatz gibt es jetzt Atomstrom aus Frankreich und Kohlestrom aus Polen, jedenfalls, solange dort genug davon zur Verfügung steht.

Was hilft? Mehr Windkraft braucht das Land, meinen wenigstens die neuen SPD-Vorsitzenden. Sie schlagen vor, die Zustimmung der Bürger, die etwas gegen Schlagschatten und Schallwellen haben, mit Geld zu erkaufen. Das grenzt schon an Menschenverachtung. Dabei verhält es sich im Grunde mit der Windkraft so, wie einst mit der Atomenergie: Es wird eine Technologie durch Subventionen alternativlos gemacht, für die es keine vernünftige Infrastruktur gibt. Es ist weder das Stromnetz vorhanden, das die erzeugte Energie unter möglichst geringen Verlusten von A nach B leiten könnte, noch kann man den erzeugten Strom speichern für Zeiten, in denen weder Windkraft noch Solarpaneele liefern.

Ganz Deutschland mit Windkraftanlagen zubauen?

Der Anteil von Windkraft und Fotovoltaik an der Primärenergie ist beinahe zu vernachlässigen, wie eine Studie im Auftrag der Bundesregierung ermittelt hat. Wie kann man angesichts dessen nicht nur aus der Atomkraft, sondern auch noch aus Kohle- und Gasverstromung aussteigen wollen – und zugleich auf Elektromobilität setzen?

Soll die dafür nötige zusätzliche Energie im Lande selbst erzeugt werden, müsste man ganz Deutschland mit Windkraftanlagen zubauen, im Abstand von schätzungsweise 1,5 Kilometern. Sicher gibt es Stadtbewohner, die Freude an verspargelten Küsten und Mittelgebirgen hätten. Doch die Folgen solch einer Windparkdichte sind ja nicht nur ästhetischer Art…

 

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