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Neuer Preis-Hammer: Verbraucher sollen für Phantom-Strom zahlen
Schwarz-Rot bricht nächstes Wahlversprechen
Von Kai Rebmann, 4. August 2025
Der Strom in Deutschland sollte für alle Verbraucher spürbar billiger werden und das am besten sofort. So hatten es CDU, CSU und SPD mit der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags eigentlich versprochen. Eigentlich! Denn nur wenige Wochen nach der Amtsübernahme der neuen Regierung ist davon nicht nur nichts mehr zu sehen, es geschieht genau das Gegenteil – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.
Dem ersten Wortbruch in puncto Stromsteuer – von bis zu 5 Cent Entlastung für alle war die Rede, jetzt sollen nur noch Industrie und Landwirtschaft profitieren – folgt jetzt der zweite Streich. Mit einer „überarbeiteten Kraftwerksstrategie“ und „verursachergerechten Refinanzierung“ will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) die Deutschen für die Vorhaltung von gasbetriebenen Reservekraftwerken zur Kasse bitten. Im Klartext: Alle Verbraucher sollen – übrigens nicht zum ersten Mal – für Phantom-Strom zahlen; für Strom also, der im Zweifel nie produziert wird!
Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Michael Kellner (Grüne) hervor, über die das Magazin „Politico“ zuerst berichtet hat. Demnach sollen bis zum Jahr 2030 Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 20 Gigawatt ausgeschrieben werden, die als Reserve für Dunkelflauten oder „Preisspitzen“ an den Strombörsen bereitstehen und im Bedarfsfall einspringen sollen.
Bezahlt werden muss der Strom aber in jedem Fall, ob er nun tatsächlich ge- und verbraucht wird oder nicht. Nur so bestehen realistische Aussichten darauf, dass die Ausschreibung erfolgreich verläuft und sich ein Betreiber finden lässt. Finanziert werden soll das Ganze über eine neue Umlage für den Strompreis, deren Höhe zwar noch nicht genau festliegt, die aber wohl bei mindestens zwei Cent pro Kilowattstunde liegen dürfte. Kellner übt deutliche Kritik: „Es ist klar, dass die Pläne von Katherina Reiche teuer werden.“ Zudem verschweige die Regierung den Bürgern die Höhe der neuen Abgabe, „obwohl Berechnungen im Ministerium noch aus der letzten Legislaturperiode vorliegen sollten.“…