Der Sonntagsfahrer: Das Grauen trägt Raute. Oder Strohhut.

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Von Dirk Maxeiner, 15. März 2026

Die Herrschaften, die an vorderster Front den Wirtschaftsstandort Deutschland samt seiner Industrie zerstört haben, werden für Ihr Versagen fürstlich belohnt. Beispiele sind Ex-VW-Chef Herbert Diess, Ex-Kanzlerin Angela Merkel und Energiewende-Papst Patrick Graichen. Vollversorgung gepaart mit Selbstgefälligkeit sind das Markenzeichen der Generation Abrissbirne. Und die Nachfolger sind nicht besser.

Der wohlhabende Rentner lächelt im bäuerlich grünen Hemd breit in die Kamera, von einem handgeflochtenen Strohhut vor der spanischen Sonne geschützt. Ein Dreitagebart lässt erkennen, dass er sich nicht mehr den biederen Konventionen in der Volkswagen-Chefetage unterwerfen muss. Nun ist er so frei wie der Weißstorch, der im blauen Himmel über das Anwesen hinweg zieht. 

Der Storch befindet sich im Anflug auf den Naturpark Marismas de Santoña, Victoria y Joyel, der Rentner im Anflug auf „Das neue Leben des Herbert Diess“, wie das Magazin „Capital“ ein Portrait des ehemaligen VW-Chefs geradezu lyrisch überschreibt. Ein Reporter hat Diess in seinem zum Designer-Hotel („mit Traumblick auf den Río Asón“) umgebauten historischen Anwesen „Pico Velasco“ besucht, wo der „glückliche Manager“, als Luxus-Landwirt residiert. Der „Camino del Norte“ des Jakobsweges führt nicht weit entfernt vorbei und bietet Gelegenheit zur spirituellen Sinnsuche.

„Der schmale Mann stapft die Weide hinauf, immer um die Kuhfladen herum“, beobachtet der wohlmeinende Reporter, „dann bleibt Herbert Diess stehen. Er weist auf das Hotel, die Festgesellschaft oben auf der Terrasse, ein runder Geburtstag vielleicht. Von dort zieht sich in einer weiten Ebene das Marschland bis zur Küste hier in der nordspanischen Provinz Kantabrien. Gleich unterhalb sind die Ländereien des Herbert Diess. Störche kreisen im hoffnungsblauen Himmel, die Rinder kauern sich im Schatten einer Eiche. Unten in der Ferne das Meer. Vom Hotel wehen Musikfetzen herab“. 

Diess beobachtet die Szenerie nach der Schilderung mit einer gewissen pekuniären Genugtuung: „Sehen Sie, das gefällt mir jetzt“. Von den Gästen gebe jeder schätzungsweise 100 Euro aus. Acht bis zehn blieben bei ihm hängen – endlich laufe die Sache. 

Die Menüführung war so zielführend wie ein Irrgarten im Botanischen Garten

Es läuft überhaupt gut für Herbert Diess, er müsste auch ohne die zehn Euro Reibach durch die gut gelaunte Ess- und Trinkgesellschaft auf der Terrasse nicht darben. Obwohl seit Mitte des Jahres 2022 als Volkswagen-Chef stillgelegt, erhielt er aufgrund einer vorausschauenden Vertragsgestaltung für das Jahr 2025 noch einmal 7,93 Millionen Euro „gewährte und geschuldete“ Vergütung plus 1,08 Millionen Euro „Versorgungsaufwendungen“, insgesamt 9,011 Millionen Euro.“ In Summe flossen ihm zwischen 2022 und 2025 „rund 36,9 Millionen Euro zu, inklusive Aufwendungen für seine Altersversorgung“ rechnet das Handelsblatt zusammen.  Die Tagesschau meldet derweil „Gewinn bei VW um fast die Hälfte eingebrochen“, Bild assistiert: „VW streicht 50.000 Stellen“ und Focus bilanziert: „Gewinne brechen ein, Porsche stürzt ab, 120.000 Mitarbeiter verzichten auf Geld“. Und die Schönschreiber verfassen einfühlsame Portraits über den Mann, der zu diesem Desaster maßgeblich beigetragen hat. Nieten haben in Deutschland nichts zu befürchten, so lange sie die richtige Gesinnung spazieren fahren…

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