https://www.achgut.com/artikel/zwischenruf_was_klappt_hier_eigentlich_noch
Von Prof. emer. Gerald Wolf, 8. August 2026
Ersatznachrichten klappen, zum Beispiel über irgendeinen Waldbrand in Kalifornien. Oder die Verfolgung eines Balls, der – wo auch immer in der Welt – nur mit den Füßen zu treten ist. Schon im alten Rom gewährten die Mächtigen dem Volk Brot und Spiele.
Es schlittert talwärts, unser Deutschland. Fast nichts klappt mehr. Dennoch werden diejenigen, die dafür die Verantwortung tragen, von etwa 70 Prozent des Volkes wiedergewählt (Sonntagsfrage). Was aber klappt, ist die Doppelnennung anstelle des früher üblichen generischen Maskulinums: Kundinnen und Kunden also statt Kunden, Leserinnen und Leser anstelle von Lesern.
Allerdings nicht klappt es mit dem generischen Femininum: Warum also nicht „Leichinnen und Leichen“ anstelle von „Leichen“? Oder „Geiselinnen und Geiseln“ statt „Geiseln“? Zeitökonomischer ist es, wenn das Partizip Präsens für die Doppelnennungen gewählt wird: „Lesende“ für Leser, auch für solche, die im Moment essen oder schlafen. Oder „Mitarbeitende“, selbst wenn sie gerade im Urlaub sind.
Und was klappt noch? Ersatznachrichten klappen, zum Beispiel über irgendeinen Waldbrand in Kalifornien. Oder die Verfolgung eines Balls, der – wo auch immer in der Welt – nur mit den Füßen zu treten ist. Schon im alten Rom gewährten die Mächtigen dem Volk Brot und Spiele, panem et circenses. Heute achten sie auf die Auswahl von Leserbriefen. Oder sie unterschlagen Kälterekorde, wie sie anderswo in der Welt notiert werden.
Auch gehört zu diesem Genre die Ignorierung der Tatsache, dass der atmosphärische CO2-Gehalt vor einigen zig Millionen Jahren ein paarmal höher als heute war. Überall grünte es. So üppig, dass davon die Riesensaurier satt wurden…