Michelstadt: Hauptausschuss rät von EGO-Pachtvertrag ab!

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Michelstädter Haupt- und Finanzausschuss rät von Pachtvertrag mit Energiegenossenschaft ab

Die Würzberger Mies (hier der Blick von Bullau über den Eutergrund hinweg nach Würzberg) ist für eine Windkraftanlage mit fünf Rotoren vorgesehen. Die Stadt, die über elf dazu benötigte Grundstücke verfügt, will einem Pachtvertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald nicht zustimmen. Dir mehrheit im Hauptausschuss teilt die Bedenken des Magistrats wegen der Höhe der Rotoren und der Nähe zur Siedlungsfläche.

von Elmar Streun, 1. Juni 2018

MICHELSTADT – An der geplanten Windkraft-Fläche in der Mies bei Würzberg mit fünf Einzelanlagen wird sich die Stadt wohl nicht beteiligen. Der Haupt- und Finanzausschuss empfiehlt mehrheitlich der Stadtverordnetenversammlung, einem Gestattungsvertrag mit der Energiegenossenschaft Odenwald nicht zuzustimmen.

Bei einer Gegenstimme der Grünen- und drei Enthaltungen der SPD-Fraktion teilte das Gremium die Bedenken des Magistrats. Die machen sich laut Beschlussvorschlag, den Ausschussvorsitzender Georg Walther verlas, vor allem an der Höhe der geplanten Anlagen, der Nähe zur Siedlungsfläche und eventuellen Verschlechterungen der Lebensqualität wegen möglicher Geräuschentwicklungen des Betriebs der Windräder fest.

Der Standort ist zwar im Flächennutzungsplan der Odenwaldkreiskommunen für Windkraftnutzung vorgesehen. Doch weil dieser nicht vom Regierungspräsidium genehmigt worden ist, kann eine Begrenzung auf die darin festgelegten Vorrangflächen nicht garantiert werden. Daher wird befürchtet, dass der Odenwald zusätzlich belastet wird, mit einer Quote, die “sogar über die Festlegungen des Regionalplan-Entwurfs hinausgeht”.

Um diesen Kritikpunkt drehte sich die gut einstündige Diskussion. Gescheitert ist dabei Rainer Raßloff (SPD), dessen Fraktion nach seinen Worten zwar die grundlegenden Bedenken teilt, aber eine weichere Ablehnung vorgeschlagen hatte. Sie wollte sich die Tür für Verhandlungen offenhalten und lediglich “derzeit” dem Pachtvertrag nicht zustimmen.

Dagegen sprach sich Lutz Hasenzahl (FDP) aus: “Ich bin dankbar, dass auch Fraktionen, die für den Flächennutzungsplan gestimmt haben, jetzt das Projekt ablehnen.” Georg Walther (CDU) begründete die Ablehnung des Vertragswerks: “Wir brauchen diese Höhen und Masse an Windrädern nicht.” In Verhandlungen zuvor war versucht worden, die Zahl der Rotoren von fünf auf drei zu reduzieren – erfolglos. Der Projektierer, das Versorgungsunternehmen Entega, hatte die Höhen der geplanten Windräder zweimal angehoben; zuletzt war eine Gesamthöhe von 241 Meter bei 166 Meter Nabenhöhe vorgesehen.

Dr. Tobias Robischon (ÜWG): “Wir müssen uns eingestehen, dass der Flächennutzungsplan ein totes Pferd ist, das wir immer noch reiten.” Wenn der wider Erwarten doch noch in Kraft treten sollte – eine Klage gegen die Ablehnung ist anhängig – sei neu zu überlegen. “Wir brauchen einen Plan B, müssen bei der politischen Linie bleiben zur Begrenzung des Ausbaus”, befand Robischon.

Diese Sichtweise der ÜWG, Windanlagen zu vermeiden, rief nicht nur den Widerspruch von Hans Jürgen Zinn (Grüne) hervor. Raßloff hielt nichts davon, zu “sagen, wir sind gegen Windkraft”. Der Flächennutzungsplan sei nicht abschließend entschieden und biete die einzige Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Jeder andere Plan sehe mehr Windenergieflächen vor, oder die Genehmigungsfrage sei ganz offen und biete “eine Spielwiese für jeden Projektierer”.

Auch Bürgermeister Stephan Kelbert (parteilos) erkannte eine “Gefahr, dass man da zugepflastert wird” und betonte: “Klar war, der Flächennutzungsplan muss Windkraft Raum geben.” Er sah Michelstadt in einer Sonderrolle…

2 Gedanken zu „Michelstadt: Hauptausschuss rät von EGO-Pachtvertrag ab!“

  1. Diese Angst vor einem Wildwuchs der Windspargel kann ich nicht ganz nachvollziehen. Das entspricht einem Selbstmord (Vorrangflächen) aus Angst vorm Tod (Wildwuchs). Einfach mal drauf ankommen lassen und die Projektierer/Betreiber sich in der Planung austoben lassen. Die politischen Parteien und deren Vertreter auch. Neben den faktischen Hindernissen werden diese den Imageschaden (Entega) oder politischen Schaden (Wahlen) zu spüren bekommen, wenn sie nach Gutsherrenart unsere Heimat in Beschlag nehmen. Dazu müssten allerdings die Odenwälder mal “aufstehen”, und zwar gewaltig.

  2. Ein Schritt hin zur Vernunft.

    Ein Schritt in die richtige Richtung.

    Generationengerechtigkeit in bester Anwendung.

    Vielleicht – ja hoffentlich -wird ein Stück der grandiosen Odenwald-Natur dadurch von der brachialen Invasion der Windkraftindustrie verschont.

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