Würzberg/Michelstadt: Kein leichter Stand für Projektierer

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Kein leichter Stand für Projektierer

Bürgerversammlung Michelstadt

Volles Haus bei der Bürgerversammlung in Michelstadts Odenwaldhalle  Foto: Hans-Dieter Schmidt

von Hans-Dieter Schmidt, 22. März 2018

BÜRGERVERSAMMLUNG Diskussion um geplante Windräder bei Würzberg zwischen Emotionen und Sachargumenten

MICHELSTADT – Den gemeinsamen Flächennutzungsplan der seinerzeit noch 15 Odenwälder Kommunen zur Windkraft hat das RP Darmstadt abgelehnt, einen gültigen Regionalplan gibt es nicht. So darf nach Baugesetz im Grundsatz jeder ein Windrad bauen, wo er will – vereinfacht formuliert. Das gilt zunächst auch für die im Würzberger Gewann Mies (allerdings Bestandteil des gemeinsamen FNP) geplanten fünf Anlagen, die Energiegenossenschaft Odenwald (EGO) und Versorger Entega errichten möchten. Beide wollen die Genehmigung im April beantragen, rechnen mit einem positiven Entscheid spätestens im Oktober; der Windpark soll im Herbst 2019 in Betrieb gehen.

Zuvor muss allerdings das Michelstädter Parlament seine Zustimmung geben, denn die Stadt ist Verpächter einer Waldparzelle als WKA-Standort. Zusammen mit etwa 30 anderen Besitzern kleiner Areale könnte sie also einen finanziellen Nutzen aus ihrem Gelände ziehen. Diese Abstimmung, ebenfalls im April, dürfte spannend werden, wie bei einer zum Thema Windpark Würzberg einberufenen Bürgerversammlung in der Odenwaldhalle deutlich wurde.

 

Bürgermeister Kelbert beschwört die Energiewende

Stadtverordneter Georg Walther (CDU) leitete die Versammlung, und für fachliche Stellungnahmen standen Florian Voigt (Landesenergieagentur Hessen) ebenso zur Verfügung wie Julian Schindler und Matthias Send (Entega) sowie Christian Breunig und Thomas Mergenthaler (EGO). Zunächst erläuterten sie das Projekt, für das schon Ausschreibungen laufen. Bürgermeister Stephan Kelbert betonte, seine Stadt stehe zur Energiewende, und die Windkraft sei ein Teil davon. Er bedauerte aber, dass es derzeit keine Rechtssicherheit gebe.

 

Eine recht große Gruppe von Bürgern war aus Würzberg gekommen, außerdem Mitglieder zahlreicher regionaler Initiativen gegen die Windkraftansiedlung. Schnell entwickelte sich ein reges Frage- und Antwortspiel. Dabei ging es um die Kosten eines solchen Windrades (fünf Millionen Euro), außerdem führten die Bürger den zu befürchtenden Wertverfall ihrer Immobilien ebenso an wie gesundheitliche Gefahren. Peter Geisinger von der Initiative „Vernunftkraft Odenwald“ (Hassenroth) argumentierte, die Planungen basierten auf der veralteten TA Lärm (Technische Anleitung Lärmschutz); vorgerechnet wurde auch, dass nach Fläche 350 Windkraftanlagen im Odenwald möglich seien. 59 seien fertig, 30 in Planung.

Bettina Magsam wohnt in Würzberg und nahm ausführlich Stellung. Sie ging auf die Vorzüge des Ortes als Wohnplatz ein, auf die gute technische Versorgung, sei es durch Verkehrs- oder Breitbandanbindung, verwies auf die Vorzüge der Natur und auf die von Kelbert häufig bestätigte Qualität des Höhendorfes.

Die Natur war auch Thema etlicher anderer Sprecher, die kritisierten, dass gerade ein Europäisches Vogelschutzgebiet als Standort herhalten soll. Dass die Windräder am Rande des Gebietes errichtet werden sollen, wie von den Verantwortlichen betont, sei nicht wahr, lautete ein Vorwurf: Die über 240 Meter hohen Anlagen sollten mitten in dem Gebiet aufgestellt werden. Offenbar kümmere es niemanden, dass dort etliche Rotmilane lebten, ein Schwarzstorchpaar nachgewiesen und auch die weitere Vogelwelt vielfältig sei.

Die Vertreter von EGO, Entega und Energieagentur hatten durchaus einen schweren Stand, mussten sich im Einzelfall sogar gegen Vorhaltungen verwahren, konnten aber nicht alle Argumente entkräften. Grund waren neben vielen Emotionen sicherlich fachlich qualifizierte Einlassungen der Projektgegner, die nicht einfach abgetan werden konnten…

2 Gedanken zu „Würzberg/Michelstadt: Kein leichter Stand für Projektierer“

  1. Der Krieg gegen die eigne Bevölkerung ist nur politisch zu lösen.
    Zur Landtagswahl keine Stimme für Windkraft-Positiv denkende Parteien.

    Jede/r AKTIVE zu Wahl ist wichtig !!

  2. Man kann die Bürger nur bitten und drängen, alle “Abgeordneten” über das Thema Energiewende zu befragen. Schnell wird man merken, dass der überwiegende Teil der “Abgeordneten” keine Ahnung haben, worüber sie eigentlich abstimmen. Es reicht nicht, wenn einer der “Abgeordneten” Rede und Anwort steht. Auch sollte man gewarnt sein, dass sicherlich die Entscheidung zum Bau von WKA schon gefallen sind. Bürgerversammlungen dienen eigentlich nur als Alibifunktion. Warum hier der Bürgermeister sich so einsetzt, lässt einige Vermutungen aufkommen. Dass über 2/3 der Anlagen Minus machen (also Verluste) wird gerne verschwiegen. Des weiteren kann man davon aus gehen, dass wenn erst einmal 3-4 Anlagen stehen und einige Kilometer weiter auch, dass dann die Lücken zu den “Parks” aufgefüllt werden. Es ist halt überall der selbe Ablauf. Baut die Anlagen direkt an den grossen Ortschaften, damit die Befürworter, die Segnungen direkt vor Ort erleben können.

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