Stillfüssel: Anwohner klagt über störende Geräusche

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Windpark „Stillfüssel“

So laut „wie ein Flugzeug über den Wolken“

Die Windkraftanlagen im Odenwald laufen im Probebetrieb – Ein Anwohner klagt über störende Geräusche

von Carsten Blaue, 21. März 2018

Wald-Michelbach. Die Windkraftanlagen am „Stillfüssel“ im Wald bei Siedelsbrunn drehen sich noch immer im Probebetrieb. Alles wird getestet, die Ergebnisse werden protokolliert. Und wenn nötig, wird nachjustiert. Jürgen Vollmers Empfindungen dürften allerdings keine Berücksichtigung finden in den Aufzeichnungen der Probezeit. Vollmer hat im Jahr 2009 sein Haus im Wald-Michelbacher Seckenrain gebaut.

Das Anwesen liegt etwas abseits, die Infrastruktur hier draußen sei bescheiden, sagt er: „Wir wurden aber mit Natur und absoluter Ruhe entschädigt.“ Deswegen hat er sich mit seiner Familie hier niedergelassen. Mit der Ruhe ist es allerdings vorbei, seit sich rund 1100 Meter südwestlich eines der fünf Windräder dreht, auf das Vollmer schaut: „Ehrlich gesagt, sind wir entsetzt, was den betroffenen Bürgern hier zugemutet wird“, sagt Vollmer.

Die Geräusche sind so laut, dass kürzlich ein Nutzer sozialer Medien auf Facebook mutmaßte, die Anlage sei defekt. Ist sie nicht, wie Michael Leukam auf RNZ-Anfrage klarstellt. Leukam ist Pressesprecher des Energieunternehmens Entega aus Darmstadt, das den Windpark am „Stillfüssel“ betreibt.

Er räumt ein, dass die Geräusche der Anlagen je nach Windstärke, Windrichtung und Entfernung zur Windkraftanlage „unterschiedlich wahrgenommen werden“ können: „Auch das subjektive Lärmempfinden ist unterschiedlich ausgeprägt“, sagt Leukam. Generell gelte aber, dass die Anlage den vorgegebenen Grenzwert einhalte. Und das ist schließlich das Wichtigste. Zumindest für Entega.

Vollmer tröstet das dagegen wenig: „Es hört sich zeitweise an wie ein Flugzeug über den Wolken“, beschreibt er seine Wahrnehmung. Er fürchtet, dass es noch schlimmer wird, wenn die Lager der Windräder nach dem ersten Verschleiß mehr Spiel haben. Vollmer hört zudem den Windlärm, wenn die Flügel am Turm „vorbeirauschen“. Die Geräusche seien je nach Windsituation und Betriebszustand der Anlage verschieden, sagt er. Zumindest in diesem Punkt ist er sich mit Leukam einig.

 Ansonsten steht für Vollmer endgültig fest, dass der Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten einfach zu gering ist, um Beeinträchtigungen der Bürger durch die Anlagen auszuschließen: „Die Regelung ist überaltert und nicht mehr zeitgemäß“, sagt Vollmer: „Sie berücksichtigt die technische Entwicklung und Höhe der Anlagen nicht.“

Und auch nicht die topografische Lage. Das Rad im Wald am Standort mit der Bezeichnung „WEA 2“, was für Windenergieanlage 2 steht, hat ungefähr den gleichen Abstand zu Vollmers Grundstück wie „WEA 1“: „Wir werden sehen, ob es einen Unterschied gibt.“

Der Anwohner spricht aber schon jetzt vom „enormen Wertverlust“ seiner Immobilie. Das komme einer „staatlichen Enteignung“ gleich. Dazu die optische Beeinträchtigung und nun auch noch „eine Reduzierung der Lebensqualität durch Geräusche“. Die schlimmsten Befürchtungen, so Vollmer, seien bestätigt worden: „Sie sind jetzt von niemandem mehr wegzudiskutieren.“

2 Gedanken zu „Stillfüssel: Anwohner klagt über störende Geräusche“

  1. Ich persönlich wohne im Kern von ober-schönmattenwag in der Nähe des Spielplatzes. Bei westlicher Windrichtung wird das Geräusch der Windräder Richtung Dorf geleitet. Besonders nachts ist dieses Geräusch sehr aufdringlich, es hört sich an als würde eine 747 über das Tal fliegen , nur dass dieses Geräusch die ganze Nacht anhält. Ich habe das Gefühl das die Lautstärke durch den Hall Effekt des Tales noch verstärkt wird und dies wurde sicherlich beim Bau der Windräder nicht beachtet. Noch drehen sie nicht alle und es bleibt abzuwarten ob diese im Sommer noch zu ertragen sind. Ich befürchte uns stehen laute Nächte bevor besonders den Anwohnern in der Hintergasse. Auf die Dauer wird ein solcher Zustand nicht zu ertragen sein und als menschenfeindlich betrachtet werden.

  2. Den Ausführungen von Herrn Vollmer ist nichts hinzuzufügen. Auch wir, als Nachbarn von Herrn Vollmer, hören die überlauten Windkraftanlagen! Wir sind im Januar 2015 wegen gesundheitlichen Problemen in die Abgeschiedenheit des Odenwald gezogen und haben nun nicht nur den Wertverlust unserer Immobilie, welche unsere gesamten Ersparnisse gekostet hat, hinzunehmen sondern auch die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, hervorgerufen durch die Windenergieanlagen auf dem Sillfüssel, sind wieder vorhanden! Es ist unglaublich wie skrupellos und dreist der Gemeinderat Wald-Michelbach unter Führung von Ex-BGM Joachim Kunkel, Seite an Seite mit den Umweltzerstörern der Entega und EGO im Fall Stillfüssel vorgegangen sind!

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