Natur- und Artenschutz kommt unter die Räder!

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„Natur und Artenschutz kommt unter die Räder“

Von red, 5. September 2018
VOGELSBERGKREIS – Während sich das Gutachterbüro Ecoda mittlerweile von den Handlungen des „Baumklopfers“ im Vogelsberg distanziert hat, wollen die Grünen im Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe (ZOV) nach aktuellen Presseinformationen „abwarten“. „Sowohl OVAG-Vorstand Rainer Schwarz als auch die Grünen scheinen in Anbetracht der bevorstehenden Landtagswahlen in Hessen nervös zu werden, da immer mehr Menschen den Irrweg dieser sogenannten ,Energiewende‘ erkennen“, schreibt die Naturschutzinitiative (NI) in einer Pressemeldung.
Anstatt Natur, die biologische Vielfalt und damit auch das Klima zu schützen, führe diese Form der „Energiewende“ nach Ansicht der NI zu einer Natur- und Landschaftszerstörung größten Ausmaßes. Diese Auswüchse und der mangelhafte Schutz von streng geschützten Arten und von Landschaften und Erholungsräumen habe in Hessen und bundesweit ein erschreckendes Ausmaß angenommen.
Im April 2017 seien im Vogelsberg zwei tote Rotmilane in einem Windpark in Ruhlkirchen gefunden worden. Bei Erfassungen zu einem benachbarten Windpark sei festgestellt worden, dass ein Rotmilanhorst in weniger als 1000 Metern Entfernung zum Windpark Ruhlkirchen liege. Seit Inbetriebnahme im Jahr 2013 seien bereits drei tote Rotmilane nahe der vier Anlagen gefunden worden. Alleine im Jahr 2017 seien sieben tote Rotmilane im Landkreis gefunden worden. Davon drei im Bereich eines sogenannten „Rotmilanprojektes“, heißt es in der Pressemitteilung. Die Anzahl der Rotmilan-Schlagopfer sei demnach im Vogelsberg mit 25 bis 29 Tieren die höchste Quote in ganz Deutschland, und das in einem europäischen Vogelschutzgebiet. Hier werde der Vogelschutz zugunsten der wirtschaftlichen Interessen der Windindustrielobby eklatant konterkariert, ist die NI überzeugt.
Deren Naturschutzreferent, Immo Vollmer, sieht in der Summe der Ereignisse eine Schädigung der lokalen Population gegeben: „Hier liegt, zugerechnet einer Dunkelziffer und der mit der Tötung von Elternvögeln verbundenen Zerstörung von Eiern und Jungvögeln, eine Totschlagrate vor, die die Nachwuchsrate überschreitet. Da der Rotmilan Zielart des Vogelschutzgebietes ist, die sich hier besonders geschützt fortpflanzen soll, liegt ein deutlicher Verstoß gegen EU-Recht vor“ erklärt Vollmer, der gar davon ausgeht, dass eine Klage gegen das Land Hessen vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich sein könnte. Auch der störungssensible Schwarzstorch sei durch Windindustrieanlagen in seinem Brutgeschäft erheblich gestört. Seit der „Industrialisierung des Vogelsberges“ sei die Zahl der Schwarzstorchpaare von 14 Revierpaaren auf vier Brutpaare zurückgegangen.
Natur- und Artenschutz kämen unter einer schwarz-grünen Landesregierung unverantwortlich unter die Räder. Vogelschutzgebiete dienten dem Schutz von Vögeln und nicht ihrer Industrialisierung, kritisiert die NI. Es sei mehr als offensichtlich, dass Projektierer, Betreiber und vor allem Gutachterbüros und Genehmigungsbehörden ihrer Verantwortung nicht gerecht würden…

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