BDEW: Die Energiewende verliert ihren Risikopuffer

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Strombranche warnt: Die deutsche Energiewende verliert ihren Risikopuffer

von Daniel Wetzel, 23. April 2018

Die Erneuerbaren Energien können sich nicht mehr auf die Absicherung durch konventionelle Kraftwerke verlassen, warnt die Strombranche. Um eine Unterdeckung abzuwenden, müsse die Politik sofort handeln. Ansonsten sei die Netzstabilität nachhaltig gefährdet.Die Erneuerbaren Energien werden in den kommenden vier Jahren einen Teil jener Kapazitäten verlieren, die bislang die wetterabhängige Ökostrom-Versorgung abgesichert haben. Mit diesem „Weckruf an die Politik“ warnte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vor den Folgen eines beschleunigten Kraftwerkesterbens in Deutschland.

Deutschland habe sich bislang ein doppeltes Stromsystem geleistet, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer in Hannover. Während man die konventionellen Kraftwerke weiter betrieben habe, wurden parallel die erneuerbaren Energien ausgebaut. Dieses „Doppelsystem“ komme jetzt an sein Ende, sagte Kapferer.

Bereits heute sei absehbar, dass es Ende 2022 nicht mehr genug konventionelle Kraftwerke geben werde, um den Ausfall der erneuerbaren Energien, etwa während einer „kalten Dunkelflaute“ im Winter, vollständig zu kompensieren. „Die heute noch bestehenden Überkapazitäten werden in wenigen Jahren nicht nur vollständig abgebaut sein“, warnte Kapferer. „Vielmehr laufen wir sehenden Auges spätestens im Jahr 2023 in eine Unterdeckung bei der gesicherten Leistung.“

Branche warnt vor Leistungsausfall
 

Nach der aktuellen Statistik des BDEW werden bis dahin zwar neue konventionelle Kraftwerke mit einer Leistung von 4400 Megawatt gebaut. Allerdings stehen dem Kraftwerksstilllegungen von 18.600 Megawatt gegenüber. „Ein sattes Minus“, warnte Kapferer. Ob und in welchem Umfang Stromspeicher und Nachfragemanagement einen Teil der Lücke schließen können, sei „nicht sicher vorhersehbar“.

 

Insgesamt sinkt die gesicherte Stromerzeugungsleistung in Deutschland von heute rund 90.000 Megawatt auf 75.300 Megawatt. Damit könne die Jahreshöchstlast von absehbar 81.800 Megawatt nicht mehr gedeckt werden. Es sei leichtfertig, für die Zeit der Unterdeckung auf mögliche Stromimporte zu hoffen.

„Auch im EU-Ausland wird gesicherte Leistung in Form konventioneller Kraftwerke abgebaut“, warnte der BDEW-Chef: „Und: Die Zeiten, in denen sehr viel Strom nachgefragt wird, sind in Mitteleuropa nahezu deckungsgleich.“

Wirtschaft ruft Politik zum Handeln auf

Neben dem planmäßig ablaufenden Atomausstieg seien zuletzt vor allem Steinkohlekraftwerke zur Stilllegung angemeldet worden, da sie nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben seien. Dazu beigetragen habe auch das Sinken der Erdgaspreise und die entsprechend größere Konkurrenz durch Gaskraftwerke. Zudem wurden bereits die ersten zwei Braunkohle-Kraftwerke in die sogenannte Sicherheitsbereitschaft überführt und damit stillgelegt…

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