Sorge um Sicherheit von smarten Stromzählern

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Smart Home: Sorge um Sicherheit von smarten Stromzählern

Intelligente Stromzähler werden bald Pflicht für viele Haushalte. Forscher warnen vor Sicherheitslücken – und dem Risikofaktor Mensch.
Von Eva Wolfangel,

Es gab den einen oder anderen Skandal um intelligente Stromzähler – mal sammelten sie ungeschützt viel zu viele private Daten vom Benutzer, mal standen sie in Verdacht, es Hackern besonders leicht zu machen. Dennoch sollen in diesem Jahr die sogenannten Smart Meter Pflicht werden in Deutschland, zumindest für Haushalte, die mehr als 10 000 Kilowattstunden jährlich verbrauchen. Allerdings gibt es derzeit nicht genügend zertifizierte Anbieter für die sogenannten Gateways, die Schnittstellen zum Internet, sodass die Verpflichtung wohl erst Ende 2017 oder Anfang 2018 wirksam wird – wenn mindestens drei auf dem Markt sind.

Schuld daran sollen die hohen Datenschutz-Anforderungen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sein, so äußern sich Insider. „Damit ersticken sie jegliche Innovation im Keim“, sagt ein IT-Dienstleister, der nicht namentlich genannt werden will. Das BSI sei „weit über das Ziel hinausgeschossen“, schließlich seien Stromverbrauchsdaten keine besonders sensiblen Informationen.

Das sehen nicht alle Experten so. Die Sicherheit der Privatsphäre ist ein Streitpunkt, seit über digitale Stromzähler diskutiert wird. Forscher der Fachhochschule Münster um den Informatiker Ulrich Greveler hatten beispielsweise im Jahr 2011 gezeigt, wie anhand der Daten eines intelligenten Stromzählers auf den Film geschlossen werden kann, den die Bewohner eines Hauses angesehen haben. Der Stromzähler, der in einem normalen Haushalt installiert war, hatte die Verbrauchsdaten alle zwei Sekunden an das Rechenzentrum des Anbieters geschickt. Daraus konnten die Forscher den Verbrauch des Fernsehers extrahieren, und aus dem für jeden einzelnen Film typischen Muster aus hellen und dunklen Szenen berechnen, was auf dem Bildschirm lief.

Das lässt sich noch einfach verhindern. Die kleinste Einheit, in der die neuen Zähler Werte übertragen, beträgt 15 Minuten. Damit können zwar keine Filme mehr erkannt werden, doch es schränkt auch die Zahl möglicher Geschäftsmodelle ein, wie der erwähnte Dienstleister klagt. Eine kleinteiligere Messung könnte die künftigen Tarife besser ausnutzen. Schließlich sollen die Strompreise der Zukunft dynamisch sein, abhängig davon, ob gerade viel oder wenig Strom vorhanden ist. Je enger man den Verbrauch automatisch an die Preise anpassen kann – mittels intelligenter Haushaltsgeräte, die sich flexibel an- und abschalten – umso mehr könnten Verbraucher sparen.

Wie sicher die Smart-Meter sind, lässt sich erst beurteilen, wenn viele von ihnen am Netz hängen

Auch Greveler, der einst den Skandal ausgelöst hatte, ist heute überzeugt, dass die Daten sicher sind: „Die Gateways unterliegen sehr aufwendigen technischen Richtlinien.“ Das BSI verlange „wenn überhaupt zu viel“ – jedenfalls nicht zu wenig. Auch er vermutet, dass sich deshalb die Zertifizierung hinzieht. Die Unternehmen arbeiten noch an der Technologie, die unter anderem nur verschlüsselte und digital signierte Daten zulassen darf

 

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