Dilemma bei der Stromversorgung der Zukunft

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Von Dr. Klaus Tägder, 9. September 2025

Wie…lange…noch?

Erinnern Sie sich? Im Energiekonzept der Bundesregierung vom 28. September 2010 hieß es:

„Wir streben an, bis 2020 den Stromverbrauch gegenüber 2008 in einer Größenordnung von 10 % und bis 2050 von 25 % zu vermindern.“

Nun, die Senkung des Stromverbrauchs bis 2020 wurde tatsächlich erreicht (Abb.). Aber zu welchem Preis? Zum Preis einer gewaltigen Deindustrialisierung, die noch längst nicht abgeschlossen ist. Klingt die politische Absicht im Energiekonzept heute nicht geradezu höhnisch?

„Deutschland soll in Zukunft bei wettbewerbsfähigen Energiepreisen und hohem Wohlstandsniveau eine der energieeffizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften der Welt werden.“

Schon im Bericht aus 2017 argumentierten wir: Der vorgegebenen Verminderung des Stromverbrauches steht entgegen, dass Strom immer mehr Aufgaben übernehmen muss. Die angestrebte Elektrifizierung der Industrie und vom Bund finanziell geförderte Elektromobilität oder die als Speicherform angedachte „Power-to-Gas“-Technik, wenn sie denn tatsächlich trotz mangelnden Wirkungsgrades eingesetzt werden sollte, werden den Strombedarf steigern.

Von dem enormen Strombedarf für Luft-Wärmepumpen oder Elektrolyseure zur Wasserstofferzeugung war zu dem Zeitpunkt noch nicht die Rede. Ebensowenig vom Strombedarf der Digitalisierung oder die KI-Anwendungen.

Der jetzt von der Bundesnetzagentur (BNetzA) veröffentlichte Bericht zur Versorgungssicherheit [1][2] zeigt die gewaltigen Herausforderungen, vor denen Deutschland jetzt steht. Der Strombedarf wird bis 2035 von heute rund 550 Terawattstunden auf etwa 725 TWh ansteigen. Je nach Szenario benötigt Deutschland bis 2035 zwischen 22 und 35,5 Gigawatt an neuen „steuerbaren Kraftwerken“ – in der Praxis primär moderne Gaskraftwerke. Das entspräche 44 bis 71 Anlagen in der 500-Megawatt-Klasse. „Steuerbare Kraftwerke“ ist die Umschreibung für grundlastfähige Kraftwerke, also künftig ausschließlich Erdgas-Kraftwerke nach endgültigem Ausstieg aus der Kohle. Kraftwerke, die weiterhin CO2emittieren und die Hauptsäule der Versorgungssicherheit sein werden, trotz des weiteren Ausbaus der Windenergie- und Solaranlagen. Ohne neue „steuerbare“ Kraftwerke drohen Versorgungslücken…

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