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Absurdität mit System in der deutschen Energiewende

https://www.nzz.ch/wirtschaft/deutsche-energiewende-absurditaet-mit-system-ld.1450698?mktcid=nled&mktcval=106&kid=_2019-1-14

Absurdität mit System in der deutschen Energiewende

In Bayern stehen zwei Gaskraftwerke der jüngsten Generation als Investitionsruinen herum. Trotzdem will einer der Betreiber am gleichen Standort noch ein drittes bauen. Verstehen kann man das nur vor dem Hintergrund der fehlgeleiteten deutschen Energiewende.

Das Kraftwerk Irsching muss als Kaltreserve betriebsbereit bleiben. (Bild: PD)

von Christoph Eisenring, Berlin

Anfang Jahr häufen sich aus Deutschland jeweils die Erfolgsmeldungen zu den erneuerbaren Energien: Ihr Anteil von 35% an der Stromproduktion sei erstmals gleich hoch wie derjenige von Elektrizität aus Kohlekraftwerken, schreibt der Think-Tank Agora Energiewende. Bis 2030 will die deutsche Regierung den Anteil der Erneuerbaren sogar auf 65% steigern. Geflissentlich vergessen geht dabei allerdings, dass die Verfügbarkeit des Stroms sehr unterschiedlich ist, je nachdem, ob er mit Sonne und Wind produziert wird oder aus konventionellen Quellen stammt. Vom grosstechnischen Einsatz von Speichern für Erneuerbare ist man ebenfalls weit entfernt. Man kommt deshalb nicht darum herum, in der Hinterhand stets einen konventionellen Kraftwerkpark zu halten, der etwa in Zeiten von «Dunkelflauten», wenn es also wenig Sonne und Wind hat, einspringt.

Teure Eingriffe ins Netz

Im bayrischen Irsching bei Ingolstadt hat der Stromproduzent Uniper mit Partnern ab 2010 zwei topmoderne Gaskraftwerke in Betrieb genommen. Dennoch ging die Rechnung nicht auf: Die Schwemme an gefördertem Ökostrom drückte auf die Börsenpreise. Und man hatte mit einem höheren Preis für CO2-Emissionen gerechnet, was Gas- gegenüber Kohlekraftwerken Vorteile verschafft hätte. Die beiden Blöcke lassen sich nicht profitabel betreiben. Dazu müsste der CO2-Preis im Emissionshandel auf über 40 € je Tonne steigen, derzeit ist er halb so hoch. Die deutsche Bundesnetzagentur verlangt aber, dass die beiden Blöcke in der Reserve gehalten werden. Obwohl also die beiden Gaskraftwerke Investitionsruinen sind, baut Uniper nun ausgerechnet am selben Standort noch ein drittes Gaskraftwerk. Hat die Firma nichts gelernt?

Nein, dieses Mal dürfte es sogar ein gutes Geschäft sein. Uniper hat in einer Auktion des Netzbetreibers Tennet den Zuschlag für den Bau erhalten. Das Kraftwerk mit einer Leistung von 300 Megawatt soll «nicht für den Markt» produzieren, sondern nur in Notsituationen, um das Netz zu stabilisieren. Und für diesen Notfalldienst erhält Uniper eine Vergütung, die den Bau lohnend macht. Tennet kann die Kosten letztlich auf die Konsumenten überwälzen…

Konsumenten zahlen doppelt

Die Eingriffe ins Netz haben wegen der volatilen Einspeisung der erneuerbaren Energien und der fehlenden Transportmöglichkeiten zugenommen. Dazu gehört auch das Abregeln von Windanlagen, wenn das Netz überlastet ist. 2017 kosteten diese Eingriffe schon 1,4 Mrd. €. Die Konsumenten müssen diese Aufwendungen über ihre Stromrechnung begleichen. Diese Netzentgelte sind mittlerweile höher als die Umlagen für den Ökostrom. Deutsche Konsumenten zahlen deshalb mit die höchsten Strompreise in Europa…

An einem der beiden bestehenden Gaskraftwerke in Irsching ist neben Uniper auch der Nürnberger Versorger N-Ergie mit 25,2% beteiligt. Dessen Chef, Josef Hasler, übt nun scharfe Kritik an der Umsetzung der Energiewende. Er verweist darauf, dass alle drei Kraftwerke letztlich der Netzstabilität dienten. Es sei sogar so, dass das neu geplante Kraftwerk erst als letztes zum Zug komme. Die beiden bisherigen Blöcke seien aber nur an wenigen Stunden im Jahr am Netz. Es könnte somit die absurde Situation entstehen, dass das neue Kraftwerk nie zum Einsatz komme, sagt er. Während nun aber der neue Block voll entschädigt werde, würden den beiden bereits bestehenden Blöcken nur die wenigen Stunden vergütet, in denen sie in Betrieb seien. Dieselbe Aufgabe wird damit im Urteil Haslers ganz unterschiedlich entschädigt. Der jährliche Verlust für den Block, an dem N-Ergie beteiligt sei, belaufe sich auf einen zweistelligen Millionenbetrag.

Man möchte ihn deshalb lieber heute als morgen stilllegen. Doch die Kraftwerke seien «zwangsannektiert» worden und dürften nicht stillgelegt werden. Leidtragende der verfehlten Energiepolitik seien letztlich die Konsumenten, die mit steigenden Netzentgelten belastet würden, klagt Hasler. In Irsching werden jedenfalls in wenigen Jahren drei grosse Gaskraftwerke stehen, die nur selten im Einsatz sind. Die Konsumenten zahlten damit doppelt, nämlich für den massiven Ausbau der Übertragungsnetze und den Zubau für neue Kraftwerke, gibt der N-Ergie-Chef zu bedenken. Zur Akzeptanz der Energiewende trägt dies bestimmt nicht bei.

Irrweg EEG – Gastkommentar von Dr. Jürgen F. Kammer

https://einspruch.faz.net/einspruch-magazin/2019-01-16/f4bd4ab7ae7e9719e14cf45c9ebc7790/?GEPC=s5

Klimapolitik

Irrweg EEG

Unbeirrt unternimmt die deutsche Politik einen klimapolitischen Alleingang – und missachtet dabei eine wesentliche Staatszielbestimmung. / Ein Gastkommentar von Jürgen-Friedrich Kammer

Windenergiepark «Odervorland» in Brandenburg (Foto: dpa)

15. Januar 2019

Der nicht von der EEG-Umlage befreite Teil der deutschen Industrie, und hier besonders der Mittelstand, leidet unter dem höchsten Strompreis in Europa. Bisher hat dies zwar erst vereinzelt zu Werksverlagerungen geführt, beeinflusst aber nachhaltig das Investitionsverhalten der produzierenden Wirtschaft und damit zukünftige Arbeitsplätze. Meist folgen auch die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen den wichtigsten Produktionsstätten.

Die großen Schäden, die die bis zu 249 Meter hohen Windkraftanlagen in den Wäldern der Mittelgebirge, sogar in Naturschutzgebieten, sowie die Einrichtung der Zuwegungen und Lagerplätze mit sich bringen, werden von eigentlich dem Naturschutz verpflichteten Parteien hingenommen. Sie sprechen von Notwendigkeiten, sofern man die Wälder insgesamt vor dem Untergang durch den Klimawandel bewahren wolle. Die Schäden werden auch nicht wertmäßig erfasst und in die Diskussion eingebracht. Die Regelung des § 45 Abs. 7 Satz 1 Nr. 5 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), wonach „aus zwingenden Gründen des überwiegenden öffentlichen Interesses einschließlich solcher sozialer oder wirtschaftlicher Art“ eine Ausnahme vom artenschutzrechtlichen Tötungsverbot des § 44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG behördlich zugelassen werden kann, steht in deutlichem Gegensatz zum europäischen Recht.

Die Errichtung von Windkraftanlagen kommt für viele Menschen einem Verlust der vertrauten Heimat gleich. Dennoch findet der Landschaftsschutz praktisch keinerlei Berücksichtigung. Der Denkmalschutz wird ebenfalls abgeschwächt bis aufgehoben. Wertverluste von Immobilieneigentümern werden ebenso wenig beziffert wie die Einbußen im Tourismus.

Die Subventionen der Ökostromförderung in Höhe von mehr als 500 Milliarden Euro führt zu massiven Umverteilungen zugunsten der Betreiber von Windkraftanlagen und Grundbesitzern, die ihr Land zur Verfügung stellen. Es heißt, die deutsche Ökostromerzeugung sei „alternativlos“ und jedes Opfer wert. Die Realität wird aber ausgeblendet.

Mit der zentralen Frage, warum Deutschland darauf besteht, einen klimapolitischen Alleingang zu unternehmen, befasst sich die Politik nicht. Dabei ist klar, dass der europäische Zertifikatehandel ihn hinfällig macht. Emissionen, die in Deutschland eingespart werden, finden in anderen europäischen Ländern statt.

Warum also wurde über den staatlichen Irrweg des EEG, der ohne Zweifel legal, aber nicht mehr legitim ist, nicht längst eine grundlegende Diskussion angestoßen?

Die Unterscheidung zwischen Legalität und Legitimität gehört zu den traditionellen Bestandteilen der Staatswissenschaft. Abgesehen von wissenschaftlichen Nuancierungen, betrifft die Legalität die Frage, ob eine hoheitliche Maßnahme mit der Rechtsordnung formal übereinstimmt. Bei der Legitimität geht es dagegen darum, inwieweit die betreffende Maßnahme von den Staatsbürgern auf der Grundlage ihrer werteorientierten inneren Einstellung als „richtig“ (gerecht, angemessen, vorbildlich) anerkannt wird.

Weiterhin ist unverständlich, warum die Abweichung von Artikel 20a Grundgesetz bisher nicht thematisiert wurde. Seit 1994 heißt es dort: „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

Die behördliche Praxis scheint dieses Ziel nicht zu verfolgen. In der Rechtsprechung wird es gelegentlich angesprochen. Zwar ist unbestritten, dass sich aus der Norm kein individuelles Klagerecht gegen staatliches Handeln ergibt. Der Staat soll in seinem Handeln nicht unfrei werden. Die drei Gewalten des Staates sind jedoch daran gebunden und sollen sich nach seinen Vorgaben richten.

Dr. Jürgen-Friedrich Kammer ist Vizepräsident des Wirtschaftsbeirats Bayern, Vizepräsident der Gesellschaft für Rechtspolitik sowie ehemaliger Vorsitzender des Vorstands und des Aufsichtsrats Süd-Chemie AG.

 

Ökologische Marschmusik

https://edition.faz.net/faz-edition/seite-eins/2019-01-15/251e042bc73fcc788ffcc0e935c4fa78/?GEPC=s9

Ökologische Marschmusik

Energiepolitik gehorcht kaum noch dem Gebot, das auch für sie gelten muss: Freiheit bewahren.

von Jasper von Altenbockum, 15. Januar 2019

Das magische Dreieck der Energiewirtschaft – Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit – hat sich unter dem Eindruck von Klimawandel und Energiewende so sehr der Ökologie verschrieben, dass von einem Dreieck kaum noch zu sprechen ist. Entschuldigt wird das mit einer Vordringlichkeit, die gehobene politische und wissenschaftliche Kreise von einer „großen Transformation“ träumen lässt. Die wird so wichtig genommen, dass dem einen oder anderen Protagonisten die langsame und pluralistische Demokratie lästig zu werden beginnt.

Die Energiepolitik ist deshalb zu einem Feld geworden, auf dem nicht nur wirtschaftliche Freiheit, sondern auch die Freiheit der politischen Willensbildung in Frage gestellt wird. Vom Atomausstieg bis zum Neckartor in Stuttgart zieht sich eine Kette übereilter und willkürlicher Entscheidungen, die im Falle der Diesel-Prügel ihre Glaubwürdigkeit vollends verloren haben. Die Frage ist: Geht es gerade so weiter?…

……………………………..

…Die Kette freiheitsberaubender Unvernunft wird stattdessen aber nicht unterbrochen, weil ökologischer Fortschrittsglaube seine Autorität verlöre. Die ist so wirkmächtig, dass ein heißer Sommer reicht, um eine Verbindung zwischen Wetter und Moral herzustellen (heute müsste es heißen: zwischen Wetter und Ersatzreligion). So war das schon einmal, in Zeiten, als Aufklärung und demokratische Freiheiten noch nicht in Sicht waren.

Die „Kohlekommission“ droht dieser besorgniserregenden Entwicklung ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Sie würde damit nicht dem bewährten magischen Dreieck gehorchen, sondern dem Phänomen, das Politik und Öffentlichkeit lenkt: ökologische Marschmusik.

 

Produktionsausfälle wegen Stromknappheit im Dezember!

https://edition.faz.net/faz-edition/wirtschaft/2019-01-12/0ef138ca4a91f74600c9c37e8a8d9a2d/?GEPC=s9

Der Tag, an dem der Strom knapp wurde

Immer wieder kommt es zu brenzligen Situationen, wenn Solar- und Windkraftanlagen zu wenig Strom liefern. Dann müssen Industrieanlagen abgeschaltet werden. Die Netzschwankungen könnten aber noch schlimmer werden. 

Bekommen kurzfristig den Strom abgeschaltet: Aluminium-Produzenten in Deutschland (Foto: dpa)

von Andreas Mihm, 12. Januar 2019

BERLIN, 11. Januar. Freitag der 14., ist ein ruhiger, etwas diesiger Dezembertag. Mittags kommt in Berlin die Sonne durch, in Kiel schwänzen Schüler den Unterricht und nennen das „Streiken für den Klimaschutz“. Die Aufregung um die Bahnstreiks am Wochenanfang hat sich gelegt, die Adventsmärkte erwarten den Besucheransturm zum dritten Advent.

In einer Handvoll großer Industriebetriebe ist dagegen von vorweihnachtlicher Fröhlichkeit keine Spur. Der Stresspegel ist beachtlich gestiegen, seitdem die Netzbetreiber kurzfristig angekündigt haben, den Strom abzuschalten. Denn in Deutschland gibt es an diesem Mittag zu wenig Elektrizität. Später wird bei Netzbetreibern von einem „Prognosefehler bei den erneuerbaren Energien aufgrund einer seinerzeit komplexen Wetterlage“ die Rede sein. Die Sonne scheint nicht so intensiv, wie noch am Vortag geplant und erwartet war…

 

Ober-Ramstadt: Vorbereitungen für WIA laufen

https://www.echo-online.de/lokales/darmstadt-dieburg/ober-ramstadt/windkraft-in-ober-ramstadt-vorbereitungen-laufen_19891199?fbclid=IwAR2QbyLgsFwagiEsNaowihHiV5bIbmer8S6lElkJl4djUl_rZ1z2fVxINRQ#

Windkraft in Ober-Ramstadt: Vorbereitungen laufen

Nach der Genehmigung für eine Anlage auf dem Silberberg zeigen Markierungen an Bäumen, wo gerodet wird. Doch dazu wird es bis Herbst wohl nicht kommen, wie der Betreiber EnBW mitteilt.

Tilman Stolte von der Bürgerinitiative Gegenwind zeigt, wo das 200 Meter hohe Windrad errichtet werden soll. Für ihn und seine Mitstreiter ist es ein zu großer Eingriff in die Natur. Foto: Dirk Zengel

von Sabine Eisenmann, 11. Januar 2019

OBER-RAMSTADT – Die roten Kreuze an den Bäumen zeigen: Hier darf gerodet werden. Auf dem Silberberg in Ober-Ramstadt laufen die Vorbereitungen zur Errichtung der Windkraftanlage Siemens SWT 130 langsam an. Es ist eine von zwei Anlagen, die der Energieversorger EnBW aus Stuttgart auf dem Silberberg errichten will. Die erste Anlage ist, wie berichtet, genehmigt. Wegen des öffentlichen Interesses hat das Regierungspräsidium Darmstadt (RP) laut Mitteilung vom 13. Dezember den Sofortvollzug ausgesprochen. Die Klagefrist läuft noch, zumal auch die öffentliche Bekanntmachung noch ausstehe, wie RP-Sprecher Dieter Ohl am Donnerstag dieser Zeitung mitteilte. Der Ober-Ramstädter Revierförster Klaus Seifert bestätigte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Markierungen an den Bäumen im Zusammenhang mit der Windkraftanlage stehen. „Es ist die Kennzeichnung der Außengrenze“. Etwa ein Hektar Wald muss pro Windrad umgelegt werden, hinzu kommen etwa 0,8 Hektar für die Zuwegung.

Genehmigung für die zweite Anlage in der Endphase

Doch vor Herbst wird auf dem Silberberg weder gerodet noch werde dort eine Baustelle eingerichtet. Das teilte am Donnerstag Jörg Busse von der Betreiberfirma EnBW auf Anfrage dieser Zeitung mit. „Wir wollen die Genehmigung der zweiten Anlage abwarten und dann alles zusammen machen“. Daher mache es keinen Sinn, schon jetzt Wald zu roden. Die Markierungen seien nach einem Abstimmungstermin Mitte Dezember der EnBW mit Vertretern des Ober-Ramstädter Bauamts und dem zuständigen Förster gemacht worden. „Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht ausgeschlossen, dass die Genehmigungen für beide Windräder zeitgleich erteilt werden“, sagt Busse. Dann hätte im Idealfall im Februar mit der Rodung begonnen werden können…

 

Odenwald: Horst Schnur legt Kreistagsmandat nieder!

http://www.de-fakt.de/bundesland/hessen/odenwaldkreis/details/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=5466&cHash=d1f22022b40d851f921bf994deaf360ehttps://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/odenwaldkreis/horst-schnur-kehrt-spd-fraktion-im-odenwaldkreis-den-rucken_19891524

Kreistagsmandat niedergelegt: Horst Schnur sagt leise Servus

Nach offenbar heftigen Auseinandersetzungen in der SPD-Kreistagsfraktion rund um das Thema Windkraft-Vorrangflächen im Odenwaldkreis hat der langjährige frühere Landrat Horst Schnur sein Kreistagsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt

von. ER, 10. Januar 2019

Horst Schnur (76, SPD)

hat nach fraktionsinternen Querelen mit sofortiger Wirkung sein Kreistagsmandat zurückgegeben. Foto: privat

ODENWALDKREIS / ERBACH / OLFEN. – Paukenschlag zum Jahresbeginn bei der Odenwälder SPD-Kreistagsfraktion: Horst Schnur (Olfen), früherer Landrat des Odenwaldkreises und seit der Kommunalwahl 2016 Mitglied der SPD-Fraktion im Odenwälder Kreistag, hat nach offenbar heftigen Unstimmigkeiten in seiner Fraktion mit sofortiger Wirkung sein Mandat niedergelegt.

Die Querelen unter den Mandatsträgern der Odenwälder SPD im Kreistag sind nach FACT-Informationen auf unterschiedliche Auffassungen bezüglich der Windkraft-Vorrangflächen im Odenwaldkreis zurückzuführen.

Der 76-jährige Schnur nimmt seit Jahren eine äußerst kritische Haltung sowohl gegen Windkraft im Odenwald generell als auch gegen den gemeinsamen Teilplan Erneuerbare Energien (TPEE) im Flächennutzungsplan aller Odenwaldkreis-Kommunen ein.

Dieser Auffassung Schnurs stellt sich die überwiegende Mehrheit der Odenwälder Sozialdemokraten entgegen und übte in der jüngsten Vergangenheit deshalb offenbar heftige Kritik an ihrem seither ältesten Fraktionsmitglied im Kreistag.

In einem Schreiben an den Fraktionsvorsitzenden der Sozialdemokraten im Odenwälder Kreistag, Raoul Giebenhain, teilte Horst Schnur daraufhin, für Außenstehende völlig überraschend, am gestrigen Mittwoch, 09. Januar, mit:

> Guten Tag, lieber Raoul!

Ich habe im Landratsamt mitgeteilt, dass ich mit sofortiger Wirkung mein Mandat im Kreistag des Odenwaldkreises niederlege.

Hiermit gebe ich Dir dies zur Kenntnis und bitte Dich, entsprechende Maßnahmen für die Fraktion zu veranlassen.

Nach den Vorkommnissen im Dezember in der Kreistagsfraktion und der Umgangsform mir gegenüber, ist dieser Schritt gereift. Ich habe über die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel noch einmal die Mandatsniederlegung innerlich auf mich wirken lassen und letztendlich meinen Entschluss für mich bestätigt gefunden.

All denjenigen in der Fraktion, denen es nicht möglich ist, mich zu grüßen und weder guten Tag noch auf Wiedersehen zu sagen, die sich im Ausdruck ihrer Körpersprache von mir abwenden und meine kontroverse Meinung nicht länger ertragen wollen, möge meine Entscheidung eine Erleichterung sein.

Ich breche meine parteipolitische Betätigung ab, werde mich aber im gesellschaftlichen Leben im Rahmen meiner altersbedingten Einschränkungen und Möglichkeiten weiterhin aktiv verhalten und auch in der Öffentlichkeit bei entsprechenden Gelegenheiten sehr wohl meine Meinung einbringen.

Ich scheide aus dem parteipolitischen Leben in dem selbst geprüften Bewusstsein aus, dass ich mich seit dem 01.09.1966 sowohl in meiner Dienstzeit als auch in der Phase meines Ruhestands ohne Eigennutz im Geiste der sozialdemokratischen Werte aktiv und korrekt verhalten habe.

Seid alle in diesem Sinne gegrüßt.

Horst Schnur<

Zur Person:

Horst Schnur (Jahrgang 1942) gehörte von 1968 bis 1986 dem Kreistag des Odenwaldkreises an. Ab 1975 war er dort Vorsitzender der SPD-Fraktion. Von 1986 bis 1991 war er hauptamtlicher Erster Kreisbeigeordneter und Stellvertreter des Landrats und von 1991 und nach zwei Direktwahlen bis 31. August 2009 Landrat des Odenwaldkreises.

Seit 2016 war er Mitglied der SPD-Fraktion im Odenwälder Kreistag, nachdem er bei der Kommunalwahl am 6. März von Platz 51 der SPD-Liste durch die Bevölkerung des Odenwaldkreises katapultartig auf den 10. Platz „nach vorne“ gewählt worden war und aufgrund seines Stimmenanteils den Sozialdemokraten einen von insgesamt 18 Sitzen sicherte.

 

Handelsblatt: „Energiewende absurd“

https://app.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energiewende-absurd-warum-uniper-zwei-moderne-gaskraftwerke-stilllegen-und-gleichzeitig-ein-neues-bauen-will/23844326.html?ticket=ST-904201-gywHC7LpVf7KwXJxrqKR-ap4

Warum Uniper zwei moderne Gaskraftwerke stilllegen und gleichzeitig ein neues bauen will

Von: Jürgen Flauger, 9. Januar 2019

Uniper will im bayerischen Irsching zwei moderne Gasanlagen stilllegen. Doch genau an diesem Standort will der Stromproduzent jetzt eine neue Anlage bauen. Was dahintersteckt.

Düsseldorf. Im bayerischen Irsching bei Ingolstadt zeigt die Energiewende schon seit Jahren ihre absurde Seite: Dort stehen zwei hochmoderne, vergleichsweise saubere Gaskraftwerke, die eigentlich perfekt den Strom liefern könnten, den Wind- und Solaranlagen in vielen Stunden witterungsbedingt nicht produzieren.

Gerade durch den Boom der erneuerbaren Energien sind die Anlagen aber unrentabel geworden – und die Betreiber, allen voran Uniper, wollen sie stilllegen. Jetzt wird Uniper allerdings genau an diesem Standort sogar ein neues Gaskraftwerk bauen. Das kündigten der Stromproduzent und Netzbetreiber Tennet am Mittwoch an.

Uniper wird das Gaskraftwerk mit einer Kapazität von 300 Megawatt bauen und im Auftrag von Tennet ab Oktober 2022 betreiben. Das Kraftwerk ist dabei als „besonderes netztechnisches Betriebsmittel“ gedacht und soll „in besonderen Notsituationen als Sicherheitspuffer in der Stromversorgung bereitstehen“. Die Anlage soll also kurzfristig hoch- und heruntergefahren werden, um das Stromnetz zu stabilisieren und Netzausfälle zu vermeiden.

Das ist nötig, weil Wind- und Solaranlagen zwar immer mehr Strom produzieren können und bei günstigen Bedingungen die deutsche Stromversorgung auch schon zu einem großen Teil decken. Wenn es trüb ist und kein Wind weht, bricht der Anteil erneuerbarer Energien aber auch schnell ein, und konventionelle Kraftwerke müssen die Stromversorgung gewährleisten….

 

Die Bilanz der erneuerbaren Energien trügt

https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-die-bilanz-der-erneuerbaren-energien-truegt23809758.html?ticket=ST-75881-xtGQfS04Q0Vv4QdIdMXA-ap2

Die Bilanz der erneuerbaren Energien trügt

Der Strom aus erneuerbaren Quellen wird wichtiger, aber nicht verlässlicher. Ohne Kohle, Gas und Atomkraft wäre die Versorgung zusammengebrochen.

Windräder zur Erzeugung von Strom

Obwohl der Anteil an der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien immer größer wird, ist der Versorgungssicherheit durch sie nicht gewährleistet. (Foto: dpa)

von Klaus Stratmann, 1. Januar 2019

Wer wollte es der Energiebranche verdenken, dass sie den Siegeszug der Erneuerbaren feiert. Im vergangenen Jahr habe der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen mit 35 Prozent gleichauf gelegen mit dem Anteil des Stroms aus Kohlekraftwerken, teilte der Branchenverband BDEW kürzlich mit.

Das Jahr 2018 war also wieder ein voller Erfolg für die Betreiber von Anlagen zur Stromerzeugung mittels Wind, Sonne, Wasser und Biogas.

Doch der Schein trügt. Ein Blick auf die Erzeugungsdaten des Monats Dezember 2018 verdeutlicht das. Die Sonnenstromproduktion war in der eher trüben Vorweihnachtszeit über weite Strecken kaum relevant. Mitte Dezember gab es zudem einige Tage mit sehr geringer Windstromerzeugung.

Ohne Kohle, Gas und auch Atomkraft wäre die Stromversorgung zusammengebrochen. Hilfe aus dem Ausland wäre nur sehr eingeschränkt möglich gewesen. Denn in den Nachbarstaaten war Strom über weite Strecken knapp. Europäische Solidarität endet immer dann, wenn die Gefahr besteht, dass im eigenen Land die Lichter ausgehen…

Wenn die jährliche Energiebilanz für die Erneuerbaren von Jahr zu Jahr positiver ausfällt, so fußt diese Feier auf einer sehr einseitigen Betrachtung der reinen Produktionsmengen. Über den Beitrag der Erneuerbaren zu einer verlässlichen Stromversorgung ist damit wenig gesagt.

Man mag sich eine schönere Welt wünschen, aber ohne fossile Kraftwerke als Back-up-Lösung geht es nicht. Nur sie können dafür sorgen, dass zu jeder Sekunde eines Jahres ausreichend Strom erzeugt wird…

 

Kreistag geht BI-Petition gg. WKA „ein Stück zu weit“

https://www.echo-online.de/lokales/odenwaldkreis/erbach/kreistag-geht-bi-petition-gegen-windkraft-ein-stuck-zu-weit_19848557

Kreistag geht BI-Petition gegen Windkraft ein Stück zu weit

Von Jörg Schwinn, 19. Dezember 2018

Odenwälder Regionalparlament schließt sich der von 21 000 Menschen unterstützten und dem RP vorgelegten Eingabe gegen Windräder im Odenwald nicht an

Bewegung in die südhessischen Gremien gebracht haben die Gegner einer intensiven Bebauung des Odenwalds mit Windrädern (hier Udo Bergfeld und Vera Krug, Mitte, bei der Übergabe von 21 000 Unterschriften an Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid, rechts, in der jüngsten Regionalversammlung in Frankfurt). Die veränderte Situation ist nun aktuell im Odenwälder Kreistag erörtert worden, der sich auf ÜWG-Initiative ebenfalls kritisch positioniert hatte. Foto: Udo Bergfeld

ERBACH – Rund 21 000 Menschen hatten sich bis Ende vergangener Woche der Petition „Rettet die Schwarzstörche! Rettet den Naturpark Odenwald!“ von regionalen Bürgerinitiativen gegen Windkraft angeschlossen; die genutzte Plattform „change.org“ nennt inzwischen sogar 22 833 Unterstützer. Seine Adressatin erreicht hat die (Un-) Willensbekundung ebenfalls schon: Vertreter der BI übergaben die Sammlung am Rande der jüngsten Sitzung der Regionalversammlung in Frankfurt an Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid. Auch der Odenwälder Kreistag möge sich dieser Petition anschließen, heißt es in einem Antrag der ÜWG, über den das Parlament bei seiner Sitzung in Erbach nun diskutierte, aber letztlich nicht abstimmte. Die Überparteilichen, auf deren Initiative schon die jüngste Kreistags-Sondersitzung samt eigener Resolution zurückgegangen war, zogen diesen Teil ihrer Vorlage – wie bereits kurz berichtet – zurück. Zuvor hatte insbesondere die SPD signalisiert, dass sie nicht zustimmen werde.
ÜWG zieht Teil ihres Antrags zurück
Die zentrale Begründung dafür lieferte Fraktionsvorsitzender Raoul Giebenhain: Zwar hat sich der Kreistag vergangene Woche mit breiter Mehrheit gegen die Stimmen der Grünen gegen eine übermäßige Bebauung der Region mit Windkraftanlagen ausgesprochen, wie sie aus seiner Sicht eine Realisierung des Teilplans Erneuerbare Energien (TPEE) zum Regionalplan Südhessen mit sich bringen würde. Gleichzeitig aber hat das Parlament den gemeinsamen Odenwälder Flächennutzungsplan, der die Ansiedlung von Rotoren auf bestimmte Bereiche konzentrieren und begrenzen soll, als Maßstab für den noch verkraftbaren Umfang des Windradausbaus in der Region benannt.
Konsequenterweise könne keine Petition mitgetragen werden, die einen „windkraftfreien Unesco Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald“ fordert: „Das passt nicht zu unserer Linie“, gab Giebenhain zu bedenken, auch wenn Anliegen wie die Rettung des Schwarzstorchs wichtig seien. Für die CDU betonte Harald Buschmann seine grundsätzliche Sympathie für das Ansinnen der Bürgerinitiativen, zumal auch die Christdemokraten „am liebsten keine weiteren Windräder im Kreis“ wollten. Der Realismus gebiete es aber, auf den Odenwälder FNP als „das kleinste Übel“ zu setzen. Dr. Alwin Weber (FDP) wies außerdem darauf hin, dass die BI-Resolution ja bereits übergeben und es für den Kreistag eigentlich zu spät sei, sich noch anzuschließen.
Für die Grünen stand eine Unterstützung der Vorlage ohnehin nicht zur Debatte: Für sie zielt der Ansatz, Windkraft einzuschränken oder zu verhindern, in die falsche Richtung. Daher hatten sie bereits gegen die an das Land gerichtete Resolution des Kreistags gestimmt. „Es wird keine Nulllösung geben“, betonte Horst Kowarsch nun noch einmal. Gerade erst habe der Verwaltungsgerichtshof in Kassel geurteilt, dass auch ein Naturpark-Siegel dem Bau von Windkraftanlagen nicht grundsätzlich entgegenstehe…

Aktion in der Regionalversammlung am 14. Dezember

http://plus.faz.net/faz-edition/rm-hessen/2018-12-15/f5a604feda9c7b8a381724c56cceeb3f?GEPC=s9

Standorte für Windräder weiter offen

Regionalversammlung vertagt Entscheidung

15. Dezember 2018

mch. RHEIN-MAIN. Um für ein „windkraftfreies Hessen-Land“ und gegen die „Naturverschandelung“ zu demonstrieren, sind gestern etwa 50 Mitglieder unterschiedlicher Bürgerinitiativen, darunter eine große Zahl aus dem Odenwald, zur Sitzung der Regionalversammlung Südhessen in den Frankfurter Römer gekommen. „Nehmen Sie uns ernst mit unseren Bedenken gegen Windkraftstandorte“, forderten sie lautstark und kündigten an, gegen die vorgesehenen Windvorrangflächen zu klagen – „wenn nötig, bis vor den Europäischen Gerichtshof“. Einige hatten sich gelbe Westen übergezogen und drohten, bald „überall in Hessen den Verkehr zu regeln“, um zu zeigen, „was in unserer Politik falsch läuft“.

Anlass für den Auftritt der Demonstranten war die ursprünglich für gestern geplante Beschlussfassung der Regionalversammlung Südhessen zum Teilregionalplan für erneuerbare Energien und damit für die Ausweisung der 133 Windvorranggebiete im Regierungsbezirk Darmstadt. CDU und SPD hatten unter Hinweis auf Mängel in der Vorlage von Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Die Grünen) darauf gedrängt, Beratung und Beschluss zu verschieben. In Rede steht eine Sitzung im April. Die Grünen dagegen hatten den Teilplan beschließen wollen.

CDU, SPD, FDP und AfD beschlossen gestern, dass es bis zur Entscheidung in allen von Windvorranggebieten betroffenen Kreisen Informationsveranstaltungen des Regierungspräsidiums mit Unterstützung der Hessen-Agentur geben soll, um Bürgern das Verfahren zu erläutern und zu einzelnen Standorten Stellung zu nehmen. Das Regierungspräsidium hat bereits zuvor deutlich gemacht, dass es Informationen, aber keine Anhörung zu den Flächen geben könne. Bürger und Verbände hatten in dem seit Jahren laufenden Verfahren mehrfach Gelegenheit, Stellung zu beziehen, zuletzt im vergangenen Jahr, als 25 000 Einwände vorgebracht wurden. Diese sind nun bearbeitet im Entwurf des Teilplans enthalten, der dadurch 6000 Seiten dick ist und zehn Aktenordner umfasst…