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Von Christoph Canne, 2. Oktober 2025
Windkraftanlagen werden von der deutschen Politik als umwelt- und klimafreundlich eingeordnet und sollen daher weiter ausgebaut werden. Doch viele Aspekte der Umweltbilanz von Windkraftanlagen bleiben bislang weitgehend unbeachtet, einer davon ist Bisphenol-A (BPA) – eine Chemikalie, die lange Zeit als harmlos galt und in zahlreichen Alltagsprodukten wie Babyflaschen, Konservendosen, Thermopapier und Trinkflaschen verwendet wurde.
Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Neue toxikologische Erkenntnisse führten 2023 zu einer drastischen Neubewertung durch die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA: Der Grenzwert für die tägliche Aufnahme von BPA wurde um den Faktor 20.000 gesenkt – von 4 µg/kg auf nur noch 0,2 ng/kg Körpergewicht.
Der Grund: Studien zeigen, dass BPA bereits in geringsten Mengen das Immunsystem beeinflusst – insbesondere durch eine Erhöhung von Th17-Zellen, die mit Autoimmunreaktionen und chronischen Entzündungen in Verbindung stehen. Darüber hinaus gilt BPA als fruchtbarkeitsschädlich, möglicherweise krebserzeugend und als endokriner Disruptor, der hormonelle Prozesse stören kann.
Rotorabrieb: Der unterschätzte Chemikalienweg
Moderne Windkraftanlagen bestehen aus glasfaserverstärkten Verbundstoffen, die mit Epoxidharzen stabilisiert werden – häufig unter Verwendung von Bisphenol A (BPA). Besonders anfällig für Materialverschleiß ist die Vorderkante der Rotorblätter, die mit bis zu 300 km/h Wind, Regen, UV-Strahlung und Sand ausgesetzt ist.
Dabei entstehen Partikel, die als potenzielle Träger von BPA gelten. Die Einschätzungen zur Freisetzung sind bislang uneinheitlich: Eine niederländische Studie des Büros RoyalHaskoningDHV (2023) beziffert die BPA-Freisetzung mit 0,2–2 g pro Windrad und Jahr und stuft diese Menge als „nicht signifikant“ ein. Doch angesichts der drastischen Grenzwertsenkung durch die EFSA erscheint diese Bewertung nicht mehr haltbar. Selbst geringe Mengen können toxikologisch relevant sein – insbesondere bei kumulativer Belastung über Luft, Wasser und Boden. Es kommt hinzu, dass durch den fortgesetzten Ausbau der Windkraft in einigen deutschen Regionen bereits eine hohe Dichte von Windkraftanlagen in unmittelbarer Nähe zu Siedlungen realisiert wurde, was das Risiko weiter verstärkt.
Problematisch ist insbesondere, dass die Freisetzungsrate stark von der Partikelgröße abhängt: Je feiner die Partikel, desto größer ihre chemisch aktive Oberfläche – und desto intensiver die Auswaschung unter UV-Strahlung, Salz und mechanischer Fragmentierung. Eine Untersuchung der Organisation Windwiki.nl (2024) spricht von einer bis zu 4096-fachen Erhöhung der Freisetzungsrate durch Mikrofragmentierung…