Georg Etscheit: Warum die Energiewende nicht funktioniert

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Buchautor Georg Etscheit formuliert zwölf Punkte, warum seiner Meinung nach die Energiewende nicht funktioniert

Georg Etscheit, Buchautor und Journalist, hat beim Liberalen Forum über „Geopferte Landschaften“ gesprochen. Windkraftanlagen sind ihm ein Graus und die Energiewende wird seiner Meinung nach nicht wirklich funktionieren.

Georg Etscheit, Herausgeber von „Geopferte Landschaften“, spricht beim Liberalen Forum zur Energiewende. | Bild: Jakober, Stephanie

von Stephanie Jakober, 25. November 2018

1. Der deutsche Stromverbrauch mache nur ein Viertel bis ein Fünftel unseres Energiebedarfs aus. „Selbst wenn es möglich wäre, Strom zu 100 Prozent emissionsfrei zu gewinnen, wäre dies kein nennenswerter Beitrag zu einer Energiewende, die diesen Namen auch verdient“, sagt Etscheit.

2. Aktuell würden rund 30 000 Windkraftanlagen noch nicht einmal drei Prozent unseres Gesamtenergiebedarfs decken.

3. Onshore-Windkraft wären hierzulande extrem ineffektiv. „Die Anlagen erreichen nur 1500 bis 2500 Volllastunden. Ein Jahr hat bekanntlich 8760 Stunden“, so der Herausgeber von „Geopferte Landschaften“.

4. Die Bereitstellung Erneuerbarer Energien fluktuiere stark. Immer wieder komme es zu „spektakulären Einbrüchen“. So etwa die zehntägige „Dunkelflaute“ im Januar 2017.

5. Die Speicherproblematik sei ungelöst und werde es auf lange Sicht bleiben. Um eine jederzeit mögliche 20-tägige Dunkelflaute zu überbrücken, bräuchte man einen Speichersee von der Größe des Bodensees oder 3640 Pumpspeicherwerke vom Typ des größten deutschen Pumpspeicherkraftwerks – Goldisthal in Thüringen. Batteriespeicher wären technisch und wirtschaftlich im großen Maßstab ebenso wenig denk- und bezahlbar wie die viel gerühmte Power-to-Gas-Technologie. Die Energiewende sei ohne Speicher nicht machbar und mit Speichern nicht zu finanzieren, ganz abgesehen von den enormen Ressourcen, die dafürbenötigt würden.

6. Für die kurzfristige Sicherung der Netzstabilität wären große Schwungmassen in den Kraftwerken nötig. „Diese können durch die verstreuten Kleinkraftwerke bislang
physikalisch nicht bereitgestellt werden“, erklärt Etscheit.

7. Die Kosten für die Energiewende würden laut Etscheit explodieren. Allein der Ausbau der Leitungsnetze werde viele Milliarden verschlingen, die auf den Strompreis umgelegt werden müssten. Sogenannter Grünstrom werde bei Leistungsspitzen teuer ans Ausland verschenkt, selbst nicht produzierter Strom aus abgeregelten Anlagen teuer vergütet. „Das ist unsozial. Ebenso unsozial wie die Enteignung vieler Dieselfahrer und der erzwungene Wertverlust von Immobilien, die in der Nähe von sogenannten Windparks stehen“, sagt er.

8. Der Strompreis sei in Deutschland und Dänemark mit 30 Cent pro Kilowattstunde am höchsten in der EU. Das sei vor allem für ärmere Menschen nicht tragbar und mithin ebenfalls unsozial. Unternehmen, die nicht in den Genuss einer Befreiung von der EEG-Umlage kommen, würden Wettbewerbsnachteile erleiden.

9. Die angestrebte „Sektorkopplung“, also die Umstellung auch der Bereiche Wärme und Verkehr auf angeblich sauberen Ökostrom, würde den Energieverbrauch ins Unermessliche steigern. „Die dafür benötigten Mengen an Ökostrom sind selbst nach Meinung von Experten, die der Erneuerbaren-Lobby nahe stehen, ohne radikale Spar- und Effizienzmaßnahmen nicht zu realisieren. Schon gar nicht umweltfreundlich.“

10. Seit Beginn der Energiewende sei der C02-Ausstoß, und darum gehe es ja wohl vor allem, keineswegs gesunken. Um die immer größeren Versorgungslücken auszugleichen, müssten konventionelle Kraftwerke ineffektiv und teuer herauf- und heruntergefahren werden, was die Klimabilanz verschlechtere. „Dass man die im Betrieb C02-freien Kernkraftwerke abgeschaltet hat, halte ich für einen Treppenwitz“, sagt der Autor. Von Seiten der Klimaforscher höre man doch immer wieder, dass es, um die große Katastrophe abzuwenden, jetzt um jedes Zehntelgrad weniger gehe. „Hätte Frau Merkel nicht aus Angst vor einem grünen Wahlsieg hier in Baden-Württemberg den Ausstiegsbeschluss durchgepeitscht, stünden wir jetzt mit unserer C02-Bilanz weitaus besser da“, so Etscheit. Und man hätte vielleicht schon die in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland Braunkohletagebaue stilllegen können. Seiner Meinung nach sei der Atomausstieg auch in sich eine Farce, weil schließlich Atomstrom aus den Nachbarländern importiert werde.

11. „Die Bemühungen zum Energiesparen sind bislang weitgehend wirkungslose geblieben“, findet er. Wenn der Energieverbrauch Deutschlands dieses Jahr um fünf Prozent gesunken sei, sei das ganz überwiegend der warmen Witterung zu verdanken. „Interessant: Der Klimawandel senkt sozusagen von ganz allein den Energieverbrauch. Dagegen schadet er der Erzeugung Erneuerbarer Energien, mit der er eigentlich bekämpft werden soll“, so Etscheit und erntet dafür einige Lacher.

12. Ein Problem, das laut Georg Etscheit gerade erst virulent werde: „Ein gigantischer Park von 100 000 oder mehr Windkraftwerken muss ständig erneuert werden.“ Doch in diesem Bezug wären noch einige Fragen ungeklärt. Was passiert beispielsweise mit den riesigen Rotorblättern, die bislang schwer oder gar nicht zu recyceln wären? Was passiert mit den Betonfundamenten, deren behördlich vorgeschriebener Rückbau nach der Betriebsphase enorme Kosten verursacht?

 

2 Gedanken zu „Georg Etscheit: Warum die Energiewende nicht funktioniert“

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